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Hospiz im Gespräch

Sabine Jammernegg im Gespräch mit
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl

Ich würde es immer wieder tun, Menschen im Rahmen des Hospizvereins zu begleiten.

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Am Foto: Sabine Jammernegg im Gespräch mit Sophie Jokesch und Elfriede Prassl (v.l.)

Ein Team, wo der eine weiß, was der andere denkt, sind Sophie Jokesch und Elfriede Prassl vom Hospizteam Feldbach. Gemeinsam haben sie vor fast vier Jahren die Hospizbegleitung im Landeskrankenhaus Feldbach ins Leben gerufen. Zirka 700 Stunden waren sie seit dem im Einsatz und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Motiviert für ihr ehrenamtliches Engagement werden die beiden vor allem von ihrer Liebe zum Menschen. Wie es ihnen dabei geht, haben sie Sabine Jammernegg im persönlichen Gespräch erzählt.
Feldbach ist steiermarkweit das einzige LKH, wo es fix zwei ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen gibt. Warum war und ist Ihnen wichtig, dass es dieses Service gibt?
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl: Aus Liebe zum Menschen wurden wir Diplomkrankenschwestern. In den vielen Berufsjahren kam es immer wieder vor, dass Menschen in den letzten Stunden bzw. Tagen alleingelassen wurden. Das wollten wir ändern. Darum entstand die Idee, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten.
In einem Krankenhaus kommt man viel öfter mit dem Tod in Berührung. Wie meistern Sie das?
Sophie Jokesch: Für mich ist in vielen Fällen die Begleitung eines Menschen in seinen letzten Lebensstunden einfacher als mein Job als Intensivschwester. In der Hospizbegleitung steht das Dasein im Vordergrund. Ich möchte es vielleicht sogar so formulieren: Es geht darum, nicht dem Leben mehr Tage zu geben, sondern dem Tag mehr Leben.
Elfriede Prassl: Für mich ist der Tod etwas ganz Normales, er gehört zum Leben dazu. Dieser Ansatz und mein tiefer Glaube lassen mich gut mit den Herausforderungen der Hospizbegleitung umgehen.
Im Krankenhaus zu sterben ist negativ behaftet. Wie erleben Sie das bei Ihren Begleitungen?
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl: Wir versuchen, für den Sterbenden und seine Angehörigen, soweit vorhanden, eine positive Atmosphäre zu schaffen. Wir sorgen für Ruhe, verwenden Aromaöle, Musik und gehen auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen ein. Wir bieten auch die Möglichkeit der Krankensalbung an, beten und singen.
Wie reagieren die Familienmitglieder eines Sterbenden auf Sie?
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl: Nach unseren Erfahrungen wird die Begleitung stets als positiv empfunden. Angehörige sind in dieser Situation meistens überfordert und haben viele Fragen. Diese versuchen wir zu beantworten und den Angehörigen Ängste zu nehmen.
Sie arbeiten eng mit den Krankenschwestern und Ärzten zusammen. Klappt das gut?
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl: Ja, dadurch, dass wir im Haus bekannt sind, ist auch eine große Akzeptanz vonseiten der Schwestern und Ärzte vorhanden. Es kommt nicht selten vor, dass sich der Arzt bei uns informiert, ob der Patient eine ausreichende Schmerztherapie bekommt, weil wir doch viele Stunden mit dem Sterbenden gemeinsam verbringen.
Was möchten Sie Verantwortlichen in Krankenhäusern im Umgang mit dem Sterben in ihrem Haus raten?
Sophie Jokesch  und Elfriede Prassl: Wünschenswert wäre es, wenn es das Angebot der Hospizbegleitung in jedem Krankenhaus geben würde. Ein geeigneter Raum in jedem Stockwerk, damit Schwerkranke und Sterbende und die Angehörigen die letzten Stunden in Würde und gemeinsam erleben können.
Wie lange dauert eine Begleitung?
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl: Von zirka zwei Stunden bis zu 14 Tagen. In der Regel ist es aber meist eine kurze Zeitspanne. Trauerbegleitung kann auch über einen längeren Zeitraum benötigt werden.
Sie arbeiten im Team. Wo ergänzen Sie sich und worin unterscheiden Sie sich zu 100 Prozent?
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl: Wir sind oft selbst überrascht, aber wir denken und fühlen sehr ähnlich, große Unterschiede sind bei uns nicht erkennbar. Viele Begleitungen machen wir gemeinsam und da kommt es nicht selten vor, dass eine etwas ausspricht, was sich die andere gedacht hat.
Wie gehen Sie selbst mit dem Tod um? Fürchten Sie sich vorm Sterben?
Sophie Jokesch und Elfriede Prassl: Es gibt kein Leben ohne Tod. Die Angst vorm Sterben kommt meistens daher, seine Wünsche und Bedürfnisse nicht mehr artikulieren zu können, fremdbestimmt zu werden, und da ist die Angst vor möglichen Schmerzen.

Über die Hospizmitarbeiterinnen

Sophie Jokesch erblickte am 3.2.1962 in Feldbach das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie in Merkendorf im Bezirk Feldbach, seit 1984 lebt sie in Feldbach. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie arbeitet seit 1993 im Landeskrankenhaus Feldbach auf der Intensivstation. Ihre Hobbys sind neben Beruf und Familie der Garten, Motorrad fahren, singen, walken und lesen, soweit Zeit bleibt.

Elfriede Prassl erblickte am 9. 2. 1956 in Feldbach das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie in Trössing im Bezirk Radkersburg, seit 1982 lebt sie in Feldbach. Sie ist verheiratet und Mutter eines Sohnes. Sie hat 36 Jahre im LKH Feldbach als Krankenschwester gearbeitet, seit drei Jahren ist sie in Pension. Ihre Hobbys sind die Familie, die Hospizbegleitung, der Garten, walken, tanzen und Musik.

Wo in der Steiermark gibt es Hospizteams?