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Bis zum Schluss wird alles heil

Ehrenamtliche Tätigkeit war schon sehr früh ein Teil ihres Lebens, für andere da zu sein, ein Bedürfnis. Die gelernte Friseurin und jetzige Pflegehelferin Rosa Maria Haas war 20 Jahre in der katholischen Frauenbewegung in St. Peter am Ottersbach. Der Wunsch nach Weiterbildung brachte sie 2008 zur Hospizausbildung. Heute ist für die fünffache Mutter und sechsfache Großmutter die Palliativbegleitung ein Teil ihres Lebens.

Rosa Haas mit Herrn Anton K.

Annehmen was kommt
Wenn Rosa Haas zu einem Patienten gerufen wird, weiß sie nur eines: Es geht um die letzte Lebensphase, der Tod ist nicht mehr fern. Im Unterschied zur Hospizbegleitung, die sich auch über längere Zeit erstrecken kann, dauert die Palliativbegleitung meist nur ein paar Tage oder Wochen.

„Beim ersten Besuch weiß ich nie, was mich erwartet. Wichtig ist dabei, angstfrei zu sein. Wenn ich vor der Türe stehe, atme ich tief durch und konzentriere mich darauf, anzunehmen, was kommt.“ Oft brauchen die Angehörigen mehr Beistand als die Kranken. „Sie sind oft unsicher, wollen alles richtig machen, aber meist gibt es nicht mehr viel zu tun. Ich unterstütze sie einfach, indem ich da bin, und helfe ihnen damit, die Situation besser zu ertragen. Manche tun sich schwer damit, loszulassen.

Sie wollen Tag und Nacht für den Sterbenden da sein. Da kann es hilfreich sein, wenn sie wissen, dass sie beruhigt ein paar Stunden schlafen können, weil jemand da ist, dem sie vertrauen.

Die Ausbildung
Frau Haas erinnert sich noch gut an ihr Praktikum bei den Elisabethinen in Graz. Auf der Hospizstation lag eine schwer kranke Frau, zu der niemand wirklich Zugang fand. Sie wollte unbedingt noch einmal nach Hause, aber das war nicht möglich. „Die Kontaktaufnahme war schwierig, sie hat zuerst abgeblockt. Aber ich bin einfach täglich hingegangen. Anfangs nur ganz kurz. Später habe ich sie gefragt, ob sie nicht mit mir ins Freie gehen möchte. Ich hab gewusst, dass sie Raucherin ist, und hab ihr gesagt, dass sie dort eine Zigarette rauchen könnte. Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass sie mich wahrgenommen hat. So sind wir ins Gespräch gekommen und sie hat mir viel erzählt. Auch von ihrer schwierigen familiären Situation. Eine Woche nachdem ich mich von ihr verabschiedet habe, weil mein Praktikum zu Ende war, ist sie gestorben.

Was bringt einem die Hospizarbeit
Es ist eine Auseinandersetzung mit der Endlichkeit. „Für mich ist es ein persönliches Innehalten und Ruhigwerden. Oft ist man einfach nur da, löst Angehörige ab und sitzt schweigend beim Kranken. Das gibt Zeit für Selbstreflexion, Zeit, seine eigenen Batterien wieder aufzuladen. Und die tröstliche Erkenntnis, dass zum Schluss alles heil wird. Es ist wie ein Hineingehen ins Universum. Aber diese Auseinandersetzung mit dem Tod bringt einen auch dazu, ein Stück bewusster zu leben.“

Gaby Valentinitsch

Rosa Maria Haas
Geboren und aufgewachsen in St. Peter am Ottersbach
Sternzeichen:
Steinbock
Hobbys:
Lesen, am liebsten Sachbücher
Ein guter Tag beginnt mit:
Einem Blick aus dem Fenster bis zum Horizont
Lachen kann ich über:
Meine eigene Vergesslichkeit
Glück ist für mich:
Das tun zu können, wozu ich Lust habe