Group 3

Mein Ziel ist es, dass in 10 Jahren alle Steirerinnen und Steirer die Hospizausbildung haben!

Hauptberuflich ist Peter Pilz Steuerberater und Mitglied der Geschäftsführung der BDO, einer der größten Wirtschaftsprüfungskanzleien Österreichs und damit bestens vernetzt. Ehrenamtlich ist er Obmann des Hospizvereins Steiermark und hat damit noch ein zweites, arbeitsintensives Betätigungsfeld. In beiden ist er äußerst erfolgreich. Wie ihm das gelingt, wohin er den Hospizverein führen will und wie er privat seine Batterien auflädt verrät er im großen Coverstory-Interview.

Ein heißer Sommernachmittag in Graz. Das Bürogebäude im Bezirk Geidorf ist nicht schwer zu finden, die Damen am Empfang sind freundlich. Wir werden in den zweiten Stock gebeten und nach ein paar Minuten zum Büro geleitet. Peter Pilz kommt uns mit einem Lächeln entgegen, die Atmosphäre ist herzlich und entspannt. Kaffee? Wasser? – Gerne! Danke! Margit, unsere Fotografin, darf für die Fotos eine Pflanze umstellen.
Na dann …

Herr Dr. Pilz, wie wird man Obmann des Hospizverein Steiermark?
PP: Es ist schon ziemlich lange her, da hat mich Martin Piaty gefragt, ob ich eventuell die Kassierfunktion übernehmen könnte. Das habe ich dann von 2003 bis 2012 gemacht. 2011 hat Karl Harnoncourt, unser langjähriger Obmann, mich für seine Nachfolge vorgeschlagen.

Was sehen Sie als Ihre wichtigsten Aufgaben?
Einerseits wollen der Vorstand und ich als Obmann dafür sorgen, dass alle ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ihre Tätigkeit mit möglichst wenig administrativem Aufwand ausüben können. Und dass alles „Drumherum“ passt, von der Buchhaltung über die Sponsorgelder bis zum Rechtlichen. Auf der anderen Seite ist es mir wichtig, dass die Hospizidee möglichst breit in der Bevölkerung bekannt wird. Da sind wir schon viel weiter als noch vor einigen Jahren, aber es gibt aus meiner Sicht noch immer viel zu viele Menschen, die nicht wissen, dass es den Hospizverein gibt und wofür er steht.  Das wird der Fokus für die nächsten Jahre sein, vielleicht auch mit der einen oder anderen innovativen Idee. Schau`n wir mal, was uns einfällt!

Die BDO, in deren Geschäftsführung Sie ja sind, ist auf allen sozialen Medien vertreten, der Hospizverein auf keinem einzigen. Warum?
Wir haben bei diversen Charity Veranstaltungen in den letzten Jahren schon damit begonnen, aber immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Veranstaltung. Wir hatten auch in der letzten Generalversammlung und im Verwaltungsausschuss intensive Diskussionen zu diesem Thema. Jetzt sind wir gerade dabei, neben der Strategie „Hospizverein Steiermark 2030“ einen Masterplan für die Öffentlichkeitsarbeit auszuarbeiten und ich gehe davon aus, dass diese Medien in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Aber es sollte so sein, dass es für die Ehrenamtlichen, die mitmachen wollen, dann auch gut zu bewältigen ist. Wir wollen niemanden zwangsbeglücken.

Sie sind ja hauptberuflich Steuerberater, das ist doch eher eine „kopflastige“ Tätigkeit. Die Hospizidee ist mehr auf der emotionalen Seite angesiedelt. Gibt es da wechselseitige Einflüsse?
Sogar sehr große! Vor allem darauf, wie ich in meinem Beruf agiere. Man lernt einfach, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht alltäglich sind. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt Vorträge zu halten zu steuerlichen Themen, Zahlen und Fakten. Und dann stehst du plötzlich vor ein paar hundert Leuten und sollst etwas zu Krankheit, Sterben und Trauer sagen. Das ist eine echte Lebensschule, die ich durch den Hospizverein erfahren habe und die sich auch auf meinen Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auswirkt. Seit ich Obmann bin habe ich einen ganz anderen Zugang zu Konfliktlösungen im Unternehmen. Ich profitiere persönlich sehr stark.

Sind Sie duldsamer geworden?
(Lacht) Das müssen Sie meine Frau fragen! Aber ich bilde mir ein – ja. In den zwei Stunden, die wir jedes Jahr beim Landeshauptmann verbringen – es wird der Tätigkeitsbericht gegenüber dem Land gegeben – sind auch viele Ehrenamtliche, die ihre Geschichten erzählen. Allein diese zwei Stunden bringen mich persönlich nach vorne. 50 % meiner Tätigkeit im Hospizverein haben ja wieder mit Zahlen zu tun. Aber sobald man in die eigentliche Tätigkeit hineinschnuppern darf bringt einen das weiter.

Was hat sich sonst noch verändert?
Erstmal habe ich einen offeneren Umgang mit dem Thema Endlichkeit. Es gibt da eine besonders schöne Erfahrung. Ich hatte einen beruflichen Termin bei den Elisabethinen und der Geschäftsführer hat mir die Palliativstation gezeigt. Für mich war es sehr beeindruckend, dass dort trotz der Traurigkeit auch Fröhlichkeit, Zufriedenheit und Dankbarkeit spürbar war, sowohl bei den Angehörigen und bei den Patienten, als auch bei den Pflegekräften, Ärzten und HospizbegleiterInnen.

Wie geht man in Ihrer Familie mit dem Thema um? Was erzählen Sie Ihren Kindern?
Also wir haben ja das Glück, dass bei uns noch alle Großeltern leben und in der Großfamilie auch keine schweren Krankheiten vorgekommen sind. Aber ich nehm‘ das Thema schon mit nach Hause, weil ich mich immer wieder damit beschäftige. Sehr gerne erzähle ich die Anekdote von meinem jüngsten Sohn. Der ist jetzt 14, damals war er im Kindergartenalter. Was wir im Hospizverein tun hat er verstanden, was ein Steuerberater macht war nicht verständlich. Und ja, wir sprechen in der Familie schon über das Thema Endlichkeit und ich glaube auch, dass sie stolz ist, dass ich diese Funktion habe, dass ich da was einbringe. Ich hatte viel Glück im Leben – da ist meine Tätigkeit beim Hospizverein eine gute Gelegenheit, etwas zurückzugeben.

Sie haben ja zwei sehr interessante, aber auch herausfordernde Jobs. Wo holen Sie sich die notwendigen Energiereserven?
Ich gehe zwei- bis dreimal wöchentlich laufen, lese sehr gerne und höre viel Musik – vornehmlich David Bowie. Und ich versuche, soviel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen.

Der Name David Bowie taucht immer wieder auf. Gibt es eine Verbindung zwischen dem Musiker und dem Hospizgedanken?
Für mich war es faszinierend, wie es David Bowie gelungen ist, in seiner letzten Lebensphase, im Wissen, dass er sterben wird, eines seiner besten Alben herauszubringen und ein Musical zu schreiben. Sowohl das Album als auch das Musical beschäftigen sich mit den Themen Endlichkeit und Tod. Vielleicht hat ihm diese Beschäftigung dabei geholfen, mit seiner Krankheit und mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Ist es für Sie wichtig, dass sich auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ehrenamtlich engagieren?
Grundsätzlich ja, aber wir schauen nicht aktiv darauf. Für mich ist es das Wichtigste, wenn ich MitarbeiterInnen aufnehme, dass ich das Gefühl habe, er oder sie passt vom Kopf her zu uns. Wir haben ein sehr homogenes Team und bei der Personalauswahl eine relativ hohe Treffsicherheit. Oft kommen dann ehrenamtliche Tätigkeiten einfach automatisch mit. Wir suchen die Leute nicht danach aus, aber es ist sicherlich ein positives Bewertungskriterium.

Die BDO hat ja schon länger umfangreiche CSR Aktivitäten. Sie unterstützen z.B. Menschen für Menschen, Ärzte ohne Grenzen, Licht ins Dunkel. Warum Hospizverein?
Wir halten das auch als BDO so, dass wir uns soziale Projekte bewusst aussuchen, die wir dann das ganze Jahr über betreuen. Wir haben das Motto: “Hilfe braucht es das ganze Jahr.“ Das Thema Hospizverein ist durch mich eingebracht worden. Die BDO hat ja schon vorher vier „Tribute to David Bowie“ Konzerte finanziert, und dann im November nochmal eines, da ist für den Hospizverein ein schöner Betrag zusammengekommen, den wir vor allem für die Aus- und Fortbildung unserer Ehrenamtlichen verwenden können.

Was sagen Sie Menschen, weshalb sie sich beim Hospizverein engagieren sollten?
Da geht es um ein Thema, das jeden Menschen betrifft oder schon betroffen hat. Es ist eine schöne Aufgabe, Menschen Zeit zu schenken, und man bekommt sehr viel zurück. Sei es ein Lächeln, sei es Dankbarkeit. Das ist auch etwas, das man für sich selbst mitnehmen kann. 

Und wie kann man Menschen für den Hospizverein gewinnen?
Bei diesem Thema muss man sehr behutsam vorgehen, da sind wir vielleicht zu zurückhaltend, aber beim letzten „Tribute to David Bowie“ Konzert in Graz z. B. waren 1.200 Leute im Orpheum und es war eine tolle Stimmung. Da haben zuerst ich und dann Barbara Muhr zum Spenden aufgerufen. Dieses „Zeigen und in den Vordergrund stellen“ hat dort gepasst. Die Kunst wird sein: Wie schaffen wir es, das Thema so zu spielen, dass sich die Leute angesprochen und nicht verschreckt fühlen.

Wo sehen Sie den Hospizverein in zehn Jahren?
Jeder Steirer und jede Steirerin hat die Hospizausbildung gemacht. Und bei den Mitgliedern wollen wir den 1.000er überspringen. Wir müssen die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren, um den Hospizgedanken stärker zu verbreiten. Wenn es uns noch gelingt, Menschen zu ermutigen, auch in der eigenen Familie Begleitungen zu machen, dann haben wir viel erreicht.

Gaby Valentinitsch

Peter Pilz im Wordrap
Ich bin:
                                        Geboren am 20.2.1969, verheiratet und habe drei Kinder
Sternzeichen:                               Fische
Ein guter Tag beginnt mit:             Sport – leider gelingt mir das viel zu selten –
und einer guten Tasse Kaffee
Glück ist für mich:                        Meine Familie
In meiner Freizeit:                         Versuche ich, so viel Zeit wie möglich
mit meiner Familie zu verbringen
Mein Lieblingsbuch ist:                  „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor Frankl
Lachen kann ich über:                   Gute Witze
Mein Traumjob als Kind war:          Straßenbahnschaffner
Am meisten ärgert mich:               Intoleranz
Meine letzten Worte sollen sein:    „Danke“ und hoffentlich (!) „Es war schön“