„Da sein“ ist das Gebot der Stunde!
Alternative Hospizarbeit in Zeiten der Corona-Krise. Wie kreativ eine Notsituation macht, das hat der Hospizverein Steiermark mit seinen (ehrenamtlichen) MitarbeiterInnen in den letzten Wochen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Andrea Strimitzer (links) und Elisabeth Liesinger liefern Stoffmasken, die das Hospizteam Ausseerland-Hinterberg nähte, ins Generationenhaus Aussee.
Persönliche Begleitungen waren ja aufgrund der Corona-Vorschriften nicht mehr möglich. Dennoch wurden die Hände nicht in den Schoß gelegt. Im Gegenteil: HospizmitarbeiterInnen sind sofort aktiv geworden, quer durch die Steiermark entwickelten sich ein unglaubliches Engagement und ein eindrucksvoller Zusammenhalt. So konnte innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Paket an alternativen Maßnahmen angeboten werden. „Kontakt halten“ und „da sein“ waren dabei das Gebot der Stunde! An allen Ecken und Enden wurde mobilisiert, um diese vielen kreativen Möglichkeiten unter die Menschen zu bringen. Hier eine Übersicht der alternativen Angebote:
- Als Ersatz für die persönliche Begleitung hat der Hospizverein „Unser Hospiz-Telefon in Zeiten von Corona“ ins Leben gerufen: 0676 / 8329 8305. Im Nu gab es einen Pool von 50 ehrenamtlichen HospizmitarbeiterInnen, die für die Telefondienste zur Verfügung stehen.
- In Eigeninitiative wurden Folder und Informationsblätter gestaltet und an Pflegeheime geschickt – mit dem Hinweis, dass jederzeit telefonisch Kontakt aufgenommen werden kann. Motto: „Wir haben Sie nicht vergessen!“
- Ebenfalls in Eigenregie ist ein sogenanntes „Gesprächstelefon“ eingeführt worden, um den Kontakt aufrecht zu erhalten und nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, alleingelassen zu werden.
- Soziale Medien wie Facebook werden genutzt, um Kontakt zu halten und um auf die Möglichkeit einer telefonischen Begleitung hinzuweisen.
- Aufgrund konkreter Anfragen wurde das Angebot zur telefonischen Begleitung auch auf das sehr belastete Personal im Pflege- und Gesundheitsbereich ausgeweitet.
- HospizmitarbeiterInnen haben zusätzlich auch verstärkt ihre eigenen Telefonnummern bekanntgegeben, um leichter erreichbar zu sein.
- Spitäler, Hospiz-Stationen, Pflegedirektionen wurden von HospizmitarbeiterInnen direkt kontaktiert und auf die Möglichkeit einer telefonischen Begleitung hingewiesen.
- 286 steirische Gemeinden und 388 Pfarren haben Informationen zum Hospiz-Telefon erhalten – mit der Bitte, den Service in ihrem Wirkungsbereich bekannt zu machen.
- In einer Presseinformation wurden die steirischen Medien über den Service der telefonischen Beratung informiert – Kleine Zeitung, Kronen Zeitung, ORF, diverse Regionalmedien und das Sonntagsblatt haben dazu Beiträge veröffentlicht.
- Parallel zum Hospiz-Telefon wurden auch Online-Begleitungen organisiert, und HospizmitarbeiterInnen haben über Skype, Zoom etc. Kontakt mit Patienten und deren Angehörigen aufgenommen.
- Die beliebten Vorlese-Stunden werden jetzt durch Zoom-Lesungen ersetzt.
- Auch Spezial-Angebote wie etwa die Demenzberatung werden jetzt telefonisch abgewickelt.
- Um den Kontakt aufrecht zu halten und das „Da sein“ auch in diesen schwierigen Zeiten zu signalisieren, schicken HospizmitarbeiterInnen regelmäßig Postkarten an Menschen, die sie begleiten.
- Wo möglich werden kleine Wünsche erfüllt: So wurde einer Heimbewohnerin vor Ostern ein Palmbuschen ans Fenster gebracht.
- In Eigenregie werden Mund-Nasen-Schutzmasken aus Stoffresten genäht und an ein Pflegeheim geliefert.
- Es kam zu spontanen Vernetzungen mit anderen Vereinen und Organisationen wie etwa den „Fürstenfreunden“ in Fürstenfeld, um gemeinsame Hilfsangebote zu erstellen.
- Auf Initiative einer Hospizmitarbeiterin wurden dem Hospizverein von der Firma Ringana selbst hergestellte Handdesinfektionsmittel zur Verfügung gestellt.
- Aus dem Grazer Uniklinikum kam die Anfrage, ob es möglich sei, onkologische PatientInnen, die nach Hause entlassen werden, zu betreuen. Innerhalb nur eines Tages wurde eine telefonische Begleitmöglichkeit auf die Beine gestellt.
- Beeindruckend war auch die großartige Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie beispielsweise dem Kriseninterventions-Team oder der Seelsorge.