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Die Hospizidee hat mein Leben geprägt!

Martin Piaty ist seit rund 20 Jahren Vorstandsmitglied des Hospizverein Steiermark. Als selbstständiger Rechtsanwalt und Spezialist für alle Fragen des Gesundheitsrechtes ist er erster Ansprechpartner in allen rechtlichen Belangen des Vereins. Aufgewachsen in einer tief katholischen Familie, war ihm das Ehrenamt schon in jungen Jahren vertraut. Im Interview spricht er über organisatorische Ziele, seinen Respekt für die Ehrenamtlichen und verrät, warum ihm Sterbebegleitung ein besonderes Anliegen ist.

Dr. Martin Piaty, Vorstandsmitglied des Hospizverein Steiermark

Herr Dr. Piaty, wie kamen Sie zum Hospizverein?
Es hat damit begonnen, dass mein großer väterlicher Freund und Gönner, der Dompfarrer Gottfried Lafer, mich mit dem damaligen Kulturstadtrat Helmut Strobl zusammengebracht hat. Da war ich schon einige Jahre Anwalt und sollte ihn und später Karl Hanoncourt bei der Reorganisation des Hospizvereins rechtlich beraten und ein neues Vereinsstatut erarbeiten. Das habe ich dann auch gemacht.

Was war Ihnen dabei wichtig?
Ich hatte zwei Ziele: Der Hospizverein sollte eine gesamtgesellschaftliche Initiative sein, parteiübergreifend und religionsunabhängig. Und ich wollte sicherstellen, dass es kein „Funktionärsverein“ wird, sondern die nicht in der Begleitung tätigen Vorstandsmitglieder von der Absicht geleitet werden, ihre Fachkenntnisse einzubringen und die Ehrenamtlichen zu unterstützen, anstatt sie zu dominieren. Denn die Ehrenamtlichen tragen die Hauptlast und sollen sich unkompliziert ihrer Tätigkeit widmen können.

Und dann sind Sie geblieben?
Ja, Ehrenamtlichkeit hat bei uns Familientradition, das „Christentum der Tat“ war immer wichtig. Mit dem Thema Hospizbegleitung war ich schon als 21jähriger konfrontiert. Prof. Becker, der große Pionier der Sterbebegleitung, hat im Bildungshaus Mariatrost einen Vortrag über die Begleitung von sterbenden Kindern und Jugendlichen gehalten, und ich sollte im Auftrag des damaligen Leiters der Malteser einen Kollegen finden, der dort hingeht. Es war Sommer und ein heißer Tag. Keiner hatte Zeit – also bin ich selber hingegangen. Was ich dort gehört habe, ist bis heute prägende Erinnerung. Es ist unsere intimste Aufgabe, Menschen zum Zeitpunkt des Abschiednehmens nicht allein zu lassen. Niemand sollte allein sterben; das ist etwas ungeheuer Wichtiges.

Hat Sie der Hospizgedanke auch persönlich geprägt?
Wir leben in einer Gesellschaft, die alles an den Staat auslagern will, von der Kindererziehung bis zur Altenbetreuung. Die ehrenamtliche Tätigkeit z. B. in der Sterbebegleitung ist dazu der Gegenentwurf. Und die Beschäftigung mit dem Hospizgedanken hat für die eigene Lebenseinstellung immer Bedeutung. Man spürt, wieviel die Gesellschaft zu leisten imstande ist. Was unsere Teammitglieder leisten, ist einfach umwerfend! Das sind lebenserfahrene Menschen, die auch einen kräftigen Wind aushalten! Das hat mich von Anfang an fasziniert.

Was wünschen Sie dem Hospizverein für die Zukunft?
Dass dieses Feuer, das man bei den Ehrenamtlichen spürt, erhalten bleibt. Dass wir der Gefahr der Verbürokratisierung widerstehen und dass der Verein sein Herzblut behält.

Martin Piaty im Wordrap:

  • Ich bin: verheiratet, drei Söhne
  • Sternzeichen: Zwilling
  • Ein guter Tag beginnt mit: einer heißen Dusche
  • Glück ist für mich: meine Familie
  • In meiner Freizeit: lese ich, bin leidenschaftlicher Jäger und betätige mich gerne in Haus und Garten
  • Mein Lieblingsbuch ist: „Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1939-1945“ von Helmut Gollwitzer, Käthe Kuhn u.a.
  • Lachen kann ich über: hoffentlich mich selbst
  • Am meisten ärgert mich: Passivität
  • Mein Traumjob als Kind war: Kinderarzt
  • Mein Leitsatz im Leben ist: „Ama et fac quot vis“ – Liebe und (dann) tue, was du willst
  • Meine letzten Worte sollen sein: Ich habe mich bemüht