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Die heilende Kraft positiver Gedanken

Alle Menschen haben Ängste. Und das ist auch gut so! Denn in grauer Vorzeit sicherten sie das Überleben. Heute warnen uns Ängste vor Gefahren und bewahren uns davor, ungewollt in lebensgefährliche Situationen zu geraten. In Zeiten einer Pandemie jedoch oder bei einer schweren Krankheit können sie übermächtig werden. Doch dagegen können wir etwas tun. Mit Hilfe unserer Gedanken können wir eingefahrene Denkmuster durchbrechen und ein Stück Lebensfreude zurückgewinnen.

Zuversicht ist wichtig
Um positiv in die Zukunft zu blicken, brauchen wir in Krisenzeiten vor allem eins: Zuversicht! Der Duden definiert diese Einstellung als “festes Vertrauen in eine positive Entwicklung in der Zukunft“. Nicht immer einfach, wenn Corona unsere Gesundheit gefährdet, Jobs killt und unseren Lebensstil in vielfacher Weise bedroht. Wenn wir Altenheime nicht mehr betreten und unsere kranken Angehörigen nicht mehr besuchen dürfen. Wenn wir vielleicht gerade jetzt eine niederschmetternde Diagnose erhalten. Da können Sorgen und Zukunftsängste schon manchmal übermächtig werden. Die gute Nachricht ist: Das muss nicht so bleiben, wir selbst können das ändern!

Körper und Psyche sind eng verbunden
Was kann helfen, uns seelisch und körperlich wieder in die Balance zu bringen? Zunächst einmal die Erkenntnis, dass unsere Gedanken und auch unsere Gefühle auf unseren Körper Einfluss nehmen (können). Dr. Katharina Schmid*, Ärztin und Gründerin des Instituts für Lebensfreude und Gesundheit, erklärt in ihrem Buch „Kopfsache gesund“: „Die meisten Menschen wären überrascht, wie sehr sie im Guten wie im Schlechten allein mit ihren Gedanken Einfluss auf das Immunsystem und ihre eigene Heilung nehmen können.“ Das Forschungsfeld, das sich mit diesen Themen befasst, heißt Psychoneuroimmunologie und ist ein Zweig der Psychosomatik. Studien belegen, wie Gedanken und Emotionen auf unser Immunsystem wirken. Unsere Abwehrzellen, die weißen Blutkörperchen, haben Rezeptoren für sogenannte Neurotransmitter, Botenstoffe von Nervenzellen, die an diesen Rezeptoren „andocken“. Dazu Katharina Schmid: „Das heißt: Wenn ich ruhig, fröhlich oder zuversichtlich bin, stärke ich mein Immunsystem, bin ich hingegen ängstlich, gestresst oder besorgt, so schwäche ich mein Immunsystem“.

Am Anfang stehen die Gedanken
Täglich erfasst unser Gehirn 50 bis 70.0000 Gedanken. Die meisten davon sind bedeutungslos. Es hängt von uns ab, was unser Gehirn als wichtig abspeichert. Leider neigen wir dazu, uns mehr mit den negativen Dingen des Lebens zu beschäftigen als mit den Dingen, die uns Freude bereiten. Das bedeutet, dass wir uns in Zeiten von Corona z. B. immer wieder sagen: „ich möchte nicht krank werden“. Aber unser Gehirn kann das Wort „nicht“ nicht verstehen.
Das hat zur Folge, dass unser Gehirn in diesem Fall „ich möchte krank werden“ abspeichert, und wir so tatsächlich eine größere „Chance“ haben krank zu werden. Denn wenn wir besorgt sind oder Angst haben, kommt es vermehrt zur Ausschüttung von Stresshormonen, und diese hemmen nachweislich das Immunsystem. Daher rät Katharina Schmid dazu, uns vermehrt den Dingen zuzuwenden, die uns Freude machen und die wir als positiv empfinden. „Ich möchte gesund werden/bleiben“ klingt schon ganz anders als „ich möchte nicht krank werden“. Studien belegen, dass viele chronische Krankheiten ihren Ursprung weniger in den Genen der betroffenen Menschen an sich haben, sondern mehr mit den Lebensgewohnheiten und Gefühlen zu tun haben, die wiederum die „Genregulation“ (welche Gene sind aktiver) beeinflussen. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass die Art und Weise, wie sie sich fühlen, vom Kopf kommt, denn mit dem Kopf bewerten wir erst die Situation als gut oder schlecht.

Positiv denken allein ist zu wenig
Mit positiven Gedanken legen wir den Grundstein für unser Wohlergehen. Das allein ist jedoch zu wenig, erklärt Katharina Schmid. Erst wenn wir Gedanken mit intensiven Gefühlen und inneren Bildern verbinden, glaubt das Gehirn, dass sie wichtig sind und speichert sie dementsprechend ab – egal ob sie der Realität oder nur der Fantasie entspringen. Wenn Sie z. B. vor einer Operation stehen, ist es hilfreich sich vorzustellen, dass die Operation schon gut vorbei ist, Sie wieder gesund sind und etwas tun, das Ihnen besondere Freude macht. Das kann für die einen Sport sein, für die anderen ein Besuch im Lieblingsrestaurant und für wieder andere die nächste Urlaubsreise. Je stärker diese positiven Gefühle sind, desto größer ist die Wirkung auf das Immunsystem. Ganz so einfach, wie es sich zunächst anhört, ist das jedoch nicht. Wie bei vielen anderen Dingen bedarf es auch hier für einen Erfolg der Übung. Aber: Diese Methode – Katharina Schmid nennt sie „zielgerichtetes Denken“ – lässt sich genauso trainieren wie unsere Muskeln.

Mentales Training verändert die Hirnstruktur positiv
Was im Leistungssport schon lange selbstverständlich ist, wird auch durch Ergebnisse der Hirnforschung belegt: Dass ein Gedankentraining mit positiven Zielbildern letztendlich dazu führt, sich selbst zu stärken, Zuversicht zurückzugewinnen und mehr Lebensfreude zu empfinden. Der amerikanische Hirnforscher und Nobelpreisträger Eric Kandel hat nachgewiesen, dass mit Emotionen und Bildern verknüpfte Gedanken bei häufiger Wiederholung zu neuen Synapsen im Gehirn und damit zu einer positiveren Lebenseinstellung führen. Dazu Katharina Schmid: „Mit positiven Zielbildern zu arbeiten kann sehr anstrengend sein, weil wir es gewohnt sind negativ zu denken. Je nach Ausgangslage dauert es Monate bis Jahre, bis langfristige Effekte spürbar werden. Aha-Erlebnisse und Wohlfühlmomente gibt es aber von Anfang an.“ Dass dieses Training auch bei schweren oder chronischen Krankheiten sinnvoll ist, davon ist Katharina Schmid überzeugt. „Auch in dieser Situation ist es sinnvoll, gute Gefühle und Gedanken zu fördern, weil man damit mehr Lebensqualität bekommt. Es geht auch in dieser Lebensphase darum zu leben – und nicht auf der inneren Bremse zu stehen. Entscheidend ist, sich selbst mit Wohlwollen zu begegnen und zu schauen, was einem wirklich wichtig ist.“

Selbstliebe ist wesentlich
„Seien Sie liebevoll und geduldig mit sich“, rät auch Natascha Battus**, Coach und Buchautorin, „und akzeptieren Sie die Situation erstmal so wie sie ist! Besser ist es, negative Gefühle zuzulassen, die Situation zu akzeptieren wie sie ist und versuchen, zur Ruhe zu kommen“. Manche Menschen führen dann strenge innere Dialoge mit sich, wie z.B.: „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ „Nie würden wir so mit einer guten Freundin sprechen“, sagt Battus und rät: „Schließen Sie Freundschaft mit sich selbst und loben Sie sich auch einmal.“

*Dr.med. Katharina Schmid ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Pathologie. Seit 2009 Praxis in Straubing/Bayern. Sie studierte in Wien, habilitierte 2011 an der Medizinischen Universität Wien. Dozentin an der Privatuniversität Krems. 2016 eröffnete sie ihr Institut für Lebensfreude und Gesundheit in Straubing. 2018 erschien ihr Buch „Kopfsache gesund“.

**Natascha Battus ist Businesstrainerin, Coach und Buchautorin mit Fokus auf emotionale Gesundheit und Motivation.

Die zuversichtlichen Zehn

Ulrich Schnabel, Journalist und Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT, definiert in seinem Buch „Zuversicht – Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je“ ein „Erste-Hilfe-Programm für Fälle akuter Hoffnungslosigkeit“:

1.) Erholen Sie sich
Wer erschöpft ist, neigt automatisch zu einer düsteren Weltsicht. Gönnen Sie sich eine Pause und geben Sie Ihrem Körper und Geist Zeit zur Regeneration! Wer erholt ist, blickt entspannter in die Welt und sieht die Dinge bereits positiver.

2.) Kommen Sie in Bewegung
Eine trübe Stimmung lässt sich oft schon durch Bewegung verändern. Gehen Sie spazieren, joggen, tanzen – was immer Sie mögen! Auch den Geist in Bewegung zu bringen ist hilfreich. Hören Sie Musik, oder suchen Sie ein Gespräch mit guten Freunden.

3.) Weiten Sie den Blick
Leider konzentrieren wir uns meist auf Defizite. Lenken Sie Ihren Blick auf die Dinge, die in Ihrem Leben erfreulich sind. 

4.) Shit happens
Probleme sind unvermeidlich, doch es liegt an uns, wie wir sie bewerten. Denken Sie daran, dass es sich mit der seelischen Widerstandskraft ähnlich verhält wie mit dem Immunsystem: Abwehrkräfte entstehen erst durch die Konfrontation mit Schwierigkeiten.

5.) Zünden Sie ein Licht an
„Besser als die Dunkelheit zu verfluchen ist es, eine Kerze anzuzünden“ (Eleanor Roosevelt). Schreiben, Malen, Musizieren oder andere selbstwirksame Tätigkeiten können für Stimmungsaufhellung sorgen. 

6.) Mut zur Hoffnung
Fakten und Daten beziehen sich immer nur auf Vergangenes. Um die Zukunft zu gestalten, braucht es Optimismus und Mut. Allerdings sollte der Optimismus, wie Rotwein, in Maßen dosiert sein: Am besten fährt, wer sowohl das Ziel als auch die Hindernisse auf dem Weg dahin im Blick hat. 

7.) Fördern Sie die Resonanz
Aktivitäten und gute Freunde sind wichtiger als materielle Sicherheit. Zum Beispiel die Verbundenheit mit der Natur, die Liebe zu anderen Menschen, zur Kunst, zur Musik etc. Pflegen Sie Ihre Resonanzquellen, sie können Ihnen Halt geben! 

8.) Folgen Sie dem Sinn
Kümmern Sie sich nicht ums Ankommen, sondern eher darum, ob die Richtung, in die Sie gehen, stimmt. Wer sein Tun als sinnvoll erlebt, hat schon gewonnen. 

9.) Geben Sie etwas weiter
Wer nur um sich selbst kreist, verstrickt sich oft immer tiefer in seine Sorgen. Behalten Sie auch das Wohl der anderen im Blick, dann bleiben Sie handlungsfähig. 

10.) Kultivieren Sie Ihren Humor
Denn jedes Ding hat drei Seiten: eine positive, eine negative und eine komische! (Karl Valentin) Und ein Lächeln erleichtert vieles….

Und zu guter Letzt:
Krisen sind eine gute Übung in Sachen seelischer Widerstandskraft. Nach erfolgreicher Bewältigung haben wir erfahren, wie stark wir sind und wie gut wir uns auf uns selbst verlassen können. (Gaby Valentinitsch)

Buchempfehlungen:

  • Natascha Battus: Angstfrei! 5 Minuten gegen innere Unruhe und Panik; Lübbe.
  • Drin med. Katharina Schmid: Kopfsache gesund. Die Wissenschaft entdeckt die Heilkraft der Gedanken; Edition a.
  • Ulrich Schnabel: Zuversicht. Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je; Blessing.