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Mein Traum war, Ärztin in Afrika zu werden

Sie ist leidenschaftliche Ärztin, engagierte Pionierin und Mitbegründerin des Hospizvereins Steiermark, dessen stellvertretende Obfrau sie ist. 2018 erhielt sie das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Graz. Trautgundis Kaiba im Interview über ihren Kindheitstraum, die Anfänge des Hospizvereins und warum eine gute Ausbildung Ehrenamtlicher wichtig ist.


Frau Dr. Kaiba, wann entstand bei Ihnen der Wunsch, Ärztin zu werden?
Eigentlich schon als Kind! Mein Traum war, Ärztin bei Albert Schweitzer in Lambarene zu werden! Lambarene liegt im Regenwald von Zentralafrika und bedeutet übersetzt: „Wir wollen es versuchen“. Das wurde eines meiner wichtigsten Lebensmotive! In den Jahren als Turnusärztin habe ich festgestellt, dass der Tod total ausgeklammert wurde. Wir hatten kaum Schmerzmittel, viele haben unsagbar gelitten. Auch als Ärztin in Hörgas/Enzenbach habe ich viel Leid und Sterben erlebt und immer wieder gesehen, wie einsam Schwerkranke und Sterbende sein können. Auch dann, wenn sie umgeben sind von Ärzten, Krankenschwestern, Familie und Freunden.
Sie waren Gründungsmitglied des Hospizvereins – wie kamen Sie dazu?
Ich habe Helmut Strobl schon in meiner Studienzeit gekannt. Er war in seiner Freizeit Rettungsfahrer und hat uns von seinen Erlebnissen dort erzählt. 1992 hat er eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um darüber nachzudenken, wie wir Hospiz in der Steiermark verankern können. Ein Jahr lang haben wir uns regelmäßig getroffen und haben dann beschlossen, dass es der beste Weg wäre, in der ganzen Steiermark Ehrenamtliche auszubilden. In Graz, Bad Aussee und Hartberg haben die Ersten begonnen, Schwerkranke und Sterbende zu begleiten. 1993 haben wir dann den Hospizverein gegründet.
Welche Voraussetzungen sollte man für die Hospizarbeit mitbringen?
Das Wichtigste ist, einen guten Bezug zu Menschen zu haben. Schwerkranke und Sterbende können vor allem bei Familie und Freunden oft nicht die sein, die sie in ihrer Verzweiflung und ihren Todesängsten sind. Es fehlt jemand, der keine große Funktion nach außen hat, aber ganz für diese Menschen da ist. Achtsam und mit liebevollem Verständnis, still und zuhörend, die Hand des Patienten haltend, die Stirne kühlend, ein Lied singend, betend, aber auch Aggression und Auflehnung verstehend, um einfach ganz da zu sein! Diesen „Mosaikstein“ haben wir mit unseren Ehrenamtlichen gefunden. Um sie gut auf ihre Aufgaben vorzubereiten, beginnen wir die Ausbildung auch mit drei Einführungstagen, in denen wir die Hospizarbeit vorstellen und einem abschließenden persönlichen Gespräch mit einer Referentin und Teamleiterin.
Wie sehen Sie als Ärztin die Hospizarbeit in Corona-Zeiten?
Am Anfang war es sehr schwer! Aber wir haben neue Wege gefunden, die Hospizarbeit auch ohne körperliche Anwesenheit weiter zu machen. Schwierig sind in dieser Zeit die Aus- und Weiterbildungen! Mit den geltenden Bestimmungen braucht man viel mehr Raum und durch diese Abstände entstehen unsichtbare Barrieren! Der Aufwand ist viel größer!
Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft für den Hospizverein?
Die größte Herausforderung ist, dass diese achtsame und wichtige Arbeit nicht durch die vielen Bestimmungen zu sehr eingeschränkt wird. Und es wird neue Formen der Aus- und Weiterbildung brauchen, die an die heutigen Erfordernisse angepasst sind. Das Wichtigste aber wird immer sein, dass der Mensch im Mittelpunkt bleibt!
(Gaby Valentinitsch)

Trautgundis Kaiba im Wordrap:
Ich bin: zu früh allein zurückgeblieben. Dann wurden meine Patienten meine Familie.
In meiner Freizeit: lese ich, höre Musik und nehme mir Zeit für Freunde
Am meisten ärgert mich: Gleichgültigkeit, Intoleranz
Meine letzten Worte sollen sein: „Ich habe ein reiches Leben gehabt – lasst mich jetzt gehen.“