„Sein“ statt „tun“ war eine wichtige Erfahrung
In ihrem Leben ist der Tod immer präsent. Als Leiterin der Bereiche Palliativ und Hospiz im Krankenhaus der Elisabethinen ist ihr die Endlichkeit des Lebens sehr vertraut. Dennoch hat sie sich entschlossen, die Hospizausbildung zu absolvieren. Désirèe Amschl-Strablegg über die Gründe für ihre Entscheidung und die Erfahrungen, die sie dabei gemacht hat.
Désirèe Amschl-Strablegg
Frau Amschl-Strablegg, wer kommt als Patient zu Ihnen auf die Palliativstation und ins Hospiz St. Elisabeth?
Auf die Palliativstation kommen Menschen, die an einer unheilbaren Erkrankung leiden und aktuell mit einer damit einher gehenden Symptomatik – z. B. starken Schmerzen – belastet sind. Im Hospiz können die BewohnerInnen ihr Leben gut begleitet und geborgen vollenden.
Sie haben doch sicher viel Erfahrung in der Begleitung schwer kranker PatientInnen. Warum haben Sie sich für die Hospizausbildung entschieden?
Die Leitung der Palliativstation habe ich ja schon länger, vor ca. drei Jahren ist dann das Hospiz dazugekommen. Da habe ich mir gedacht: Wenn ich schon die Leitung habe, sollte ich eigentlich auch die Ausbildung machen! Aber wie das halt so ist, habe ich das eine Zeitlang vor mir „hergeschoben“. Bis dann die Einladung vom Hospizverein gekommen ist, im Seminar den Palliativteil als Referentin zu übernehmen. Da habe ich plötzlich gewusst: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt!
Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus der Hospizausbildung mit?
Also das rein Fachliche bringt man ja mit. Aber die Haltung ist etwas ganz Besonderes! Dieses bedingungslose Einlassen und Auffangen der Menschen in manchen Situationen – das ist es, was mich fasziniert hat. Und was mir ganz neu war: Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit mir selbst! Mit meiner Endlichkeit und mit meinen Gefühlen! Aber es war alles so gut aufbereitet; passend für jede/n, egal, wie unterschiedlich die Berufs- und Lebenswege vorher waren.
Nach dem Seminarteil ist ja auch noch das Praktikum zu absolvieren. Wie haben Sie das erlebt?
Das war und ist eine große Herausforderung! Nichts zu „tun“. Wir sind ja alle so auf Leistung getrimmt, dass es uns schwerfällt zu lernen, dass nur mit jemandem Zeit zu verbringen auch etwas wert ist. „Sein“ anstatt „tun“ war für mich eine ganz wichtige Erfahrung. Jetzt biete ich das Hospizgrundseminar meinen MitarbeiterInnen als Fortbildung an. Das fördert auch das Verständnis für die Ehrenamtlichen.
Hat Ihre Arbeit, diese ständige Konfrontation mit dem Tod, Ihre Lebenseinstellung verändert?
Manchmal frage ich mich schon, worüber sich Menschen aufregen. Und manchmal zieht es mich einfach in die Leichtigkeit, das hat aber nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. Der Freundeskreis passt sich an, man läuft Gefahr, den einen oder anderen zu verlieren. In meinen Augen fehlt es heute vielfach an Demut. Alle glauben alles zu wissen und zu können. Bei mir ist das anders. Je mehr Erfahrungen ich sammle, desto demütiger werde ich!
(Gaby Valentinitsch)
Desiree Amschl-Strablegg im Wordrap:
Sternzeichen: Steinbock
Ein guter Tag beginnt mit: Aufstehen nach 6 Uhr früh
In meiner Freizeit: Bin ich leidenschaftlich gerne mit Familie und Hund in der Natur
Mein Traumjob als Kind war: Tierärztin
Lieblingsbuch: Baupläne der Schöpfung von Johannes Huber
Am meisten ärgert mich: Unehrlichkeit
Lachen kann ich über: Mich selbst
Meine letzten Worte sollen sein: Es wird gut werden.