Hospizarbeit ist ein großes Geschenk an die Gesellschaft
Markus Mair, Vorsitzender der Styria Media Group, wurde im November des Vorjahres zum Hospizbotschafter ernannt. Im Gespräch mit „DaSein“ erzählt er, wie er die Hospizidee zu den Menschen bringen will und von seinem persönlichen Zugang zu Lebensende und Tod.
Foto: Ballguide/Nicholas Martin
Was hat Sie dazu bewogen, Hospizbotschafter zu werden?
Die Möglichkeit, jene, die sonst im Hintergrund stehen beziehungsweise als Betroffene am Ende ihres Lebens stehen, in den Mittelpunkt zu rücken. Ich glaube, wenn es einem selbst so gut geht, dann hat man eine moralische, soziale Verpflichtung, sich für andere einzusetzen.
Was sind diesbezüglich Ihre Ziele und Vorhaben?
Die Aufmerksamkeit auf jene zu lenken, die im Hospiz leben und auch sterben – und jene, die in diesem Bereich tätig sind, viele davon ehrenamtlich. Das ist ein unbeschreiblich großes Geschenk der Ehrenamtlichen an die Gesellschaft und kann nicht oft und hoch genug gewürdigt werden.
Wie, wann und wo konnten Sie die Hospizidee bereits weitertragen?
Schon bei der Ernennung haben wir durch den digitalen Runden Tisch am Allerseelentag 2020 rund 1000 Zuseherinnen und Zuseher erreicht, auf verschiedenen Plattformen von Kleine Zeitung, Die Presse, Die Furche und Styria Buchverlage. In unseren Medienmarken haben wir – und das war schon vor meiner Ernennung – jeweils Spezialisten in unseren Redaktionen, die das Thema regelmäßig beleuchten, aus verschiedensten Blickwinkeln. Das möchte ich noch weiter ausbauen, über die Styria Media Group hinaus, und jede Gelegenheit dazu aktiv nutzen.
Der Hospizverein möchte vermehrt junge Menschen sowie Männer für die Hospizidee und das Ehrenamt als Hospizbegleiter gewinnen. Wo sehen Sie da wirkungsvolle Anknüpfungspunkte?
Unter anderem in den Medien, um den Menschen da draußen, die vielleicht noch nicht wissen, dass diese Aufgabe etwas für sie ist, die Barrieren aus dem Weg zu räumen, ihnen aufzuzeigen, wie wertvoll und – so berichten Ehrenamtliche – auch erfüllend diese Aufgabe sein kann. Es ist wichtig, zu zeigen, welche Voraussetzungen man dafür mitbringen muss und was andererseits hier auch sozusagen „erlernt“ werden kann. Jede, die und jeder, der so ein Ehrenamt übernimmt und ausführt, ist bewundernswert.
Der Tod ist für viele Menschen ein Tabu. Hat er in Ihrem Leben Platz?
Rein rational habe ich die Erkenntnis, dass der Tod ein sehr wesentlicher Teil des Lebens ist wie ja auch die Geburt, und dass ein unendliches irdisches Leben wenig Sinn ergibt. Aber ich liebe dieses Leben, bin aktiv und sehe jeden Tag, wie privilegiert und eigentlich auch unbekümmert ich leben darf. Der eigene Tod bedeutet den endgültigen Abschied von allem, vor allem von der Familie und Freunden.
Wenn man es sich aussuchen könnte: Wie würden Sie sich Ihr Lebensende wünschen?
Viele wünschen sich ein plötzliches und unvorhersehbares Lebensende. Dem kann ich auch etwas abgewinnen, allerdings möchte ich, wenn ich mir etwas wünschen könnte, den letzten Moment doch bewusst erleben, um auch von mir selbst Abschied nehmen zu können. Jedenfalls möchte ich niemandem zur Last werden.
Markus Mair im Wordrap:
- Ein guter Tag beginnt mit… einem bewussten Atemzug.
- Mein Traumjob als Kind war... Ich bin in einer kleinen Siedlung in Graz aufgewachsen, mit einer Tankstelle in der Nähe, das hatte mit den Gerüchen und den Autos zu tun.
- Mein Lieblingsbuch ist… da habe ich viele. Meine ersten waren „Die Falschmünzer“ von Andre Gide und „Der Fremde“ von Albert Camus.
- Mensch sein heißt… Mensch sein und bleiben.
- Zuletzt Angst hatte ich… als der erste Lockdown im März 2020 eingetreten ist.
- Meine drei Wünsche an „die gute Fee“ wären… geistig und körperlich noch lange gesund zu bleiben, eine Reise einmal ganz ohne zeitliche Limitierung machen zu können und noch viele interessante Menschen kennenzulernen.