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Was es ausmacht, wenn man sich um Menschen kümmert

Sie ist Trägerin des Goldenen Ehrenzeichens des Landes, engagierte Leiterin des Hospizteams Voitsberg und seit 2018 auch Obmann-Stellvertreterin des Hospizvereins Steiermark. Die gebürtige Bärnbacherin ist ein Familienmensch und eine große Naturliebhaberin. Ute Dolnicar im Interview über ihren Werdegang, Selbstbestimmtheit und die Wichtigkeit des Zuhörens.

Liebe Ute, wie und wann kamst du zum Hospizverein?
Das ist schon einige Zeit her. Mein Mann hatte eine betagte Tante in Hartberg, die aufgrund ihrer fortschreitenden Demenz nicht mehr allein leben konnte. So haben wir einen Heimplatz in Voitsberg gefunden, und da hab´ ich sie dann von Anfang an betreut. Ich bin jeden Tag zu ihr gefahren, um ihr das Essen zu geben; solange sie noch konnte, waren wir gemeinsam spazieren, einkaufen, Eis essen. Da habe ich das erste Mal bemerkt, was es ausmacht, wenn man sich um einen Menschen kümmert. Trotz ihrer Demenz war sie fröhlich und hat jeden Tag auf mich gewartet. Im Pflegeheim habe ich gesehen, dass viele BewohnerInnen nur selten Besuch bekamen, manche gar keinen. Für die wollte ich gerne etwas tun. 2004 hat in Voitsberg eine Hospizausbildung stattgefunden, eine Freundin hat mich motiviert mitzumachen. Danach kamen dann die ersten Begleitungen.

Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?
Am Anfang war ich oft bei Menschen, die nicht sprechen können. Nicht nur alte Menschen, auch jüngere waren dabei. Gerade die Arbeit mit behinderten Menschen war sehr erfüllend. In einem Pflegeheim hab´ ich einen alleinstehenden Mann begleitet. Der hat einfach jemanden gebraucht, der ihm zuhört, der ihm das Gefühl gibt, über alles reden zu können. Mit ihren Angehörigen können Menschen über manche Dinge nicht sprechen. Aber wir sind Außenstehende, bei uns können sie schimpfen, weinen, lachen, das gibt ihnen ein Gefühl von Selbstbestimmtheit und bewahrt ihre Würde!

Welche besonderen Herausforderungen bringt Corona für dich als Teamleiterin und für deine MitarbeiterInnen?
Die wichtigste Frage ist:  Wie halte ich mein Team gut zusammen, dass wir den Kontakt zueinander nicht verlieren? Ich habe z.B. Teammitglieder, die in Pflegeberufen arbeiten, die sollten im Moment möglichst wenig persönliche Kontakte haben. Wir haben immer viel telefoniert und uns über WhatsApp ausgetauscht. Jetzt mache ich gerade eine interne Ausbildung, damit wir in Zukunft unsere Teammeetings digital abhalten können.

Wie bringst du in dieser schwierigen Zeit Teamleitung und Vereinsvorstand unter einen Hut?
Ich sehe mich als Brücke zwischen den Teammitgliedern und dem Vorstand. Die Anliegen betreffen ja meist nicht nur ein Team, sondern viele. Daher trage ich Dinge in den Vorstand, die für alle wichtig sind, und achte darauf, dass man da Rücksicht nimmt. Wenn es wieder möglich ist, gehe ich gerne auf Veranstaltungen anderer Teams, um ihnen meinen Respekt zu zeigen für die tollen Dinge, die sie auf die Beine stellen. Ich habe ja auch mehr Zeit, weil ich nicht berufstätig bin und außerdem einen sehr großzügigen Ehemann, der mich immer total unterstützt.

Thema Nachwuchs: Wie können wir noch mehr Menschen für die Hospizarbeit gewinnen?
Zu mir kommen derzeit mehr Menschen als sonst, um sich für die Hospizausbildung anzumelden. In Corona-Zeiten ist das Sterben sehr präsent und die Leute interessieren sich auf einmal mehr dafür. Das ist das Positive. Die Menschen haben so viel Angst vor dem Sterben. Aber ich glaube, wenn sie sich mehr mit diesem Thema beschäftigen, und das tut ja die Hospizarbeit, dann wird auch die Angst weniger.

(Gaby Valentinitsch)

Ute Dolnicar im Wordrap:

  • Sternzeichen: Steinbock
  • Ein guter Tag beginnt mit… einem Busserl von meinem Mann
  • In meiner Freizeit… gehe ich am liebsten wandern mit meinem Franz
  • Mein Traumjob als Kind war: Volkschullehrerin
  • Lachen kann ich über… mein Enkerl Katharina
  • Am meisten ärgert mich: Respektlosigkeit
  • Meine letzten Worte sollen sein: Danke