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Zeit zu schenken ist das Wichtigste!

Im Juni 2021 wurde sie zur Obmann-Stellvertreterin des Hospizvereins Steiermark gewählt. Die langjährige Leiterin des Hospizteams Ausseerland-Hinterberg im Gespräch über die Wichtigkeit des Faktors Zeit und ihre Ziele für die kommenden drei Jahre.

Andrea Strimitzer

Liebe Andrea, wie bist du zum Hospizverein gekommen?
Ich bin schon in einem sozial sehr engagierten Elternhaus aufgewachsen und war den Großteil meines Arbeitslebens im Sozialbereich tätig. Ende der 90er Jahre, während meiner Ausbildung zur Altenfachbetreuerin/Pflegeassistentin war auch Hospiz ein Thema, da bin ich neugierig geworden. 2001 habe ich dann das Grundseminar absolviert und danach im Team Ausseerland mitzuarbeiten begonnen.

Du bist seit 2006 Leiterin des Teams Ausseerland-Hinterberg. Welche Schwerpunkte setzt du in dieser Funktion?
Unser gutes Klima steht auf drei Säulen. Wichtig ist mir, dass wir nicht nur den Begleiteten Zeit schenken, sondern auch im Team Zeit miteinander verbringen. Bei unserem gemeinsamen Keksstand oder beim Flohmarkt können wir zum Beispiel auch einmal etwas Persönliches besprechen oder einfach miteinander lachen. Das Zweite sind die gemeinsamen Fortbildungen. Heuer waren wir z.B. im „Friedwald Schöckelland“, wo die Asche der Verstorbenen unter Bäumen beigesetzt wird. Anschließend waren wir im Landhaus bei Landesrätin Ursula Lackner zu Gast. Diese Öffentlichkeitsarbeit ist die dritte Säule. Dadurch erfahren unsere Ehrenamtlichen Zugehörigkeit und Wertschätzung.

Hat sich durch die Hospizarbeit dein persönlicher Zugang zum Thema Tod verändert?
Nicht sehr! Ich bin am Land aufgewachsen, ohne Wegschauen beim Tod. Ich durfte schon als Kind einen alten, kranken Mann begleiten – ohne dass ich das gewusst habe. Er hat bei uns im Haus gewohnt, war wie ein Opa für mich und ich bin einfach gerne bei ihm gesessen und habe ihm zugehört. Eines Tages hat er meine Hand genommen, auf das Kruzifix in seinem Zimmer geschaut und „Pfiat di“ gesagt. Einige Stunden später ist er verstorben. Es war für mich ganz natürlich, ich hatte keine Angst. Ich bin schon als Kind gerne auf den Friedhof gegangen, die Ruhe hat mich bereits damals fasziniert.

Du hast langjährige Erfahrung in der Hospizarbeit. Was hilft Schwerkranken und deren Angehörigen am meisten?
Besonders wichtig ist, dass man den Menschen wirklich Zeit schenkt. Man muss oft gar nicht viel reden, Zuhören ohne zu werten hilft oft mehr. Jeder Mensch hat seine Geschichte. Die zu kennen, erleichtert oft ein „da sein“.

Seit Juni 2021 bist du auch Obmann-Stellvertreterin. Worauf wirst du ein besonderes Augenmerk legen?
Ich möchte in den kommenden drei Jahren jedes Team zumindest einmal besuchen. Einfach um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser kennenzulernen. Genauso wichtig ist mir die Zusammenarbeit mit dem Büro in Graz, ich fühlte mich bereits in den letzten Jahren als Teamleiterin sehr unterstützt!

Wo kannst du nach der intensiven Arbeit abschalten?
Ich bin gerne in der Natur, besonders auf dem Kumitzberg, unserem Wallfahrtsort. Gut erhole ich mich auch in meinem großen Garten. Mein schönstes Hobby aber ist die Musik. Ich höre gerne Musik jeglicher Art und singe im Kirchenchor. Bei vielen Begleitungen durfte ich schon die Erfahrung machen, wie Musik die Seele der Menschen erreicht.  Selbst wenn Menschen kaum mehr sprechen können, singen sie oft gern. Musik bewegt einfach die Herzen!

Andrea Strimitzer im Wordrap

  • Sternzeichen: Krebs
  • Ein guter Tag beginnt mit: einem Blick auf meinen Garten und einer Schale Kaffee
  • In meiner Freizeit: lese ich gerne
  • Mein Traumjob als Kind war: Lehrerin
  • Lachen kann ich über: Vieles, oft auch über mich
  • Am meisten ärgert mich: Engstirnigkeit
  • Meine letzten Worte sollen sein: Es war gut so.

(Gaby Valentinitsch)