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Hospiz macht Schule – Jubiläum für ein Erfolgsprojekt

Am Anfang stand die Erkenntnis: Kinder und Jugendliche mit Themen wie Krankheit, Sterben und Tod zu konfrontieren, wird in unserer Gesellschaft immer mehr zum Tabu! Sowie: Erwachsene tun ihren Kindern keinen Gefallen, wenn sie Sterben, Tod und Trauer zu Tabuthemen machen. Die so entstehende Mauer des Schweigens stellt nämlich keinen Schutz dar, vielmehr verstellt sie den Blick auf die ganze Fülle des Lebens und beraubt wichtiger Lebenserfahrungen!

Diese Erkenntnis wollte man im Hospizverein Steiermark nicht einfach so stehen lassen. Ideenfindung, Lösungsansätze und Umsetzung folgten auf den Fuß. Und so wurde vor nunmehr 20 Jahren das Projekt „Hospiz macht Schule“ ins Leben gerufen. Mit dem Ziel: Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen sollen lernen, den Tod als Teil des Lebens zu verstehen und anzunehmen, um eine angstfreiere, positivere Einstellung zum Tod entwickeln zu können. Es sollen ihnen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie mit Schwerkranken, Sterbenden und Trauernden in der eigenen Familie besser umgehen können. Und: Sie sollen im Umgang mit eigenen Verlusterlebnissen gestärkt werden. Denn das Leben hat nun einmal auch „diese“ Seiten, und Kinder und Jugendliche können nicht völlig davon ferngehalten werden – es sterben Großeltern, oder gar Eltern und FreundInnen. Sie müssen mitunter mit einer eigenen schweren Krankheit leben lernen oder mit Geschwistern, die gehandicapt sind. Sie müssen den Verlust eines intakten Familienlebens verkraften, wenn Eltern sich scheiden lassen und sich von geliebten WeggefährtInnen trennen, wenn ein Haustier verendet. All das gehört zur Lebensschule und soll im geschützten altersgerechten Rahmen mit Offenheit und Sensibilität behandelt werden.

Initiatorin und unermüdlicher Motor für „Jugendliche begegnen dem Tod“ war Monika Benigni, Hospizbegleiterin und Leiterin des Hospizteams Bad Radkersburg. Sie und ihr Team haben in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit Schulen, engagierten PädagogInnen und hochmotivierten und interessierten SchülerInnen aus dem Pilotprojekt „Hospiz macht Schule“ eine beispiellose Erfolgsgeschichte gemacht. In unzähligen Veranstaltungen quer durch die Steiermark wurden Themenbereiche wie Krankheit, Tod, Sterben, aber auch Wut, Angst, Trauer, Verlust usw. bearbeitet. Schülerinnen und Schüler haben sich dabei beispielsweise intensiv mit ihren eigenen Gefühlen auseinandergesetzt und diese auf vielfältige Weise zum Ausdruck gebracht. Daraus entstanden diverse eindrucksvolle Texte, bildliche Darstellungen und Aufführungen, die immer wieder auch der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Immer wieder wurden in diesem Zusammenhang aber auch Kontakte zwischen alten und jungen Menschen hergestellt, um dadurch für Verständnis und Solidarität zu sorgen und um Kindern und Jugendlichen einen realistischen Einblick in das Leben alter Menschen – etwa in Pflegeheimen oder auf Palliativstationen – zu ermöglichen. Außerdem hat Monika Benigni in diesem Zusammenhang auch den Hospizgedanken unter junge Menschen gebracht – im Sinne eines wertschätzenden und respektvollen Umgangs mit schwerstkranken, sterbenden und trauernden Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen.

„Hospiz macht Schule“ zeigte in all den Jahren auch deutlich und weithin auf, wie groß bei Kindern und Jugendlichen der Bedarf ist, sich mit diesen Themenbereichen zu beschäftigen. Mit „Hospiz macht Schule“ wurde für Jugendliche ein Raum geschaffen, in dem sie sich offen mit sensiblen Fragen rund um negative Gefühle, Angst, Sterben und Tod beschäftigen konnten. Themen, die ja immer auch Lebensthemen sind. Denn, und das haben die Kinder und Jugendlichen im Rahmen der diversen Veranstaltungen erkannt: „Der Tod ist Teil des Lebens. Und das Leben besteht nun einmal aus Lachen und Weinen, aus Freude und Trauer.“

Diese 20-jährige Erfolgsgeschichte feiern wir am 27. April 2022 im Grazer Messe Congress.

(Johanna Vucak)

20 Jahre „Kinder und Jugendliche begegnen dem Tod“

Einblick in die Praxis zweier wertvoller und wichtiger Jahrzehnte, in denen mit Kindern und Jugendlichen Antwort auf Fragen rund um Krankheit, Tod und Sterben gegeben wurde – und in denen sie ihre damit verbundenen Emotionen unterschiedlichst zum Ausdruck bringen konnten.

Monika Benigni, Hospizbegleiterin und 20 Jahre Projektleiterin von „Hospiz macht Schule“:

Es ist eine wichtige Aufgabe Kinder und Jugendliche auf das Lebensende, welches eine „ganz besondere Lebenszeit“ ist, vorzubereiten. Obwohl täglich über verschiedene Medien mit dem Thema Sterben konfrontiert, treffen sie sehr oft auf eine Mauer des Schweigens. In der eigenen Familie möchte man sie „beschützen“, nimmt ihnen dabei aber die Möglichkeit, sich mit wichtigen Lebensfragen zu befassen.
„Hospiz macht Schule“ bietet einen geschützten Rahmen, sich dem Thema behutsam anzunähern. Dabei stehen immer die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. Erfahrene und eigens geschulte HospizbegleiterInnen begleiten sie dabei auf ihrem Weg durch Lachen und Weinen, Freude und Trauer.

Barbara Gross, Hospizpatin, Präsidentin Volkshilfe Steiermark und Präsidentin Volkshilfe Österreich:

In Würde alt werden, dazugehören, selbst bestimmen, beim Sterben nicht alleine sein. Sterben ist ein wesentlicher Teil des Lebens, deshalb ist es besonders wichtig, dass die Themen Abschied, Tod und Trauer auch ins Bewusstsein junger Menschen dringen. Das großartige Projekt „Hospiz macht Schule“ stärkt Jugendliche und Kinder bei eigenen Verlusterfahrungen und sensibilisiert sie gleichzeitig im Umgang mit kranken und sterbenden (alten) Menschen sowie Trauernden. Das Projekt trägt seit 20 Jahren wesentlich zur Enttabuisierung dieser Themen in unserer Gesellschaft bei, dazu möchte ich herzlichst gratulieren. Wir alle sind im Laufe unseres Lebens immer wieder mit Verlusten konfrontiert. „Hospiz macht Schule“ vermittelt Kindern und Jugendlichen Fähigkeiten, mit denen sie besser durch diese herausfordernden Zeiten steuern können. Dieses Projekt startete vor 20 Jahren – und wurde zu einer Erfolgsgeschichte. Ein Danke an den Hospizverein und ein persönliches Danke an die Projektinitiatorin Monika Benigni.

Elisabeth Meixner, Bildungsdirektorin:

In diesen 20 Jahren wurden viele unserer SchülerInnen auf behutsame und altersgerechte Weise mit den Themen um die Endlichkeit der menschlichen Existenz bekannt gemacht und so professionell im Umgang mit persönlichen Verlusterlebnissen und jenen ihrer Mitmenschen in Berührung gebracht. Jungen Menschen wurde vermittelt, was jedem von uns im Laufe seines Lebens schmerzlich vor Augen geführt wird: Dass Abschieds- und Trauerprozesse ein integraler Teil unseres Lebens sind. Auch wurde durch das Wirken aller Projektbeteiligten ein elementarer Beweggrund für das Entstehen der Hospizbewegung in breite Schichten unserer Gesellschaft transportiert: Den individuellen Bedürfnissen leidender, sterbender und trauernder Menschen einen zentralen Platz in unserem Bewusstsein zu verschaffen. Zum 20-jährigen Bestehen des bewegenden Projekts möchte ich herzlich gratulieren, mich für die stets hervorragende Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion, vor allem mit unseren SchülerInnen in dieser gesellschaftlich wichtigen Angelegenheit bedanken. Ich hoffe auf weitere Jahre gedeihlichen Miteinanders in einer sehr sensiblen Thematik unseres Menschseins.