Group 3

Eine Gesellschaft ohne Hospiz …

… wäre eine Gesellschaft mit einem Herz aus Stein. Waltraud Klasnic, ehemalige Frau Landeshauptmann der Steiermark, hat Ende Juni dieses Jahres ihre Funktion als Präsidentin von Hospiz Österreich zurückgelegt. „DaSein“ gab sie ein Abschiedsinterview.

Wie sind Sie grundsätzlich zur Hospizbewegung gekommen und was hat Sie bewogen, die Präsidentschaft von Hospiz Österreich zu übernehmen?
Als der Hospizverein in der Steiermark Thema wurde, war ich Landeshauptmann. Ich habe mitgeholfen, den Verein aufzubauen. 2006 hat mich Hildegard Teuschl, die damalige Hospiz Österreich Präsidentin, zu einem Gespräch eingeladen und mich gefragt, ob ich diese Funktion von ihr übernehmen möchte. Zwei Jahre habe ich mit ihr gemeinsam gearbeitet, 2008 bin ich dann Präsidentin geworden.

Eines ihrer großen Ziele war die Regelfinanzierung – dieser Meilenstein ist nun geschafft. Was bedeutet das für die Hospizidee, was für Sie persönlich?
Ab 2025 muss es in Österreich ein flächendeckendes und leistbares Hospizangebot geben. Das bedeutet für den Hospizverein natürlich Anerkennung und auch eine Veränderung in den Strukturen.
Für mich persönlich hat damit auch das Lebensende einen „Kopf“ bekommen. Ich habe ja in meinem Verantwortungsbereich maßgebliche Vorarbeiten zur Umsetzung des Bundesgesetzes für die „Anonyme Geburt“ geleistet. Mit der Regelfinanzierung gibt es jetzt auch ein Gesetz für das Lebensende. Anfang und Ende gehören zusammen. Dafür bin ich dankbar.

Was sehen Sie in Zukunft als die größten Herausforderungen für die Hospizbewegung?
Die Steiermark ist eines der am besten bearbeiteten Bundesländer. Jetzt wird es wichtig sein, in enger und guter Kombination mit der Pflege zu arbeiten. Da braucht es harmonische Abstimmungen zwischen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen, zwischen stationär und mobil. Die steinige Diskussion rund um den Assistierten Suizid muss weitergeführt werden. Die Hospizbewegung hat diesbezüglich einen ganz großen Stellenwert.

Welche Botschaft würden Sie gerne an alle unsere MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen im Hospizverein richten?
Danke, das ist ein Geschenk für das Leben! Und das dauert bis zur letzten Stunde! Der Einsatz der Haupt- und Ehrenamtlichen ist so groß, dass man sich nur freuen kann. Freuen, dass es Menschen gibt, die bereit sind, Zeit, Kraft, Geduld, Nächstenliebe und Zuwendung einzubringen.

Werden Sie der Hospizbewegung verbunden bleiben – und in welcher Form?
Es freut mich, dass es eine gute Nachfolge gibt. Ich bin in dieser Funktion jetzt einmal weg. Wenn ich allerdings gefragt und gebraucht werde, bin ich da.

Worin liegt für Sie generell die große gesellschaftliche Bedeutung der Hospizarbeit?
Die letzten Jahre der Pandemie haben sehr viele Tote auf unseren Bildschirmen gezeigt und das Thema Tod in den Mittelpunkt gerückt. Wenn ich will, dass Menschen möglichst in Geborgenheit sterben dürfen, ist Hospiz unverzichtbar.

Was wäre unsere Gesellschaft ohne den Hospizverein und seine Ehrenamtlichen?
Eine Gesellschaft mit einem Herz aus Stein!

Welchen und wie viel Raum geben Sie den Themen schwere Krankheit, Sterben, Tod in Ihrem Leben?
Ich gebe diesen Themen von Tag zu Tag etwas mehr Raum. Vor allem, weil sehr viele Menschen, die ich kenne, vorausgehen. Es bewegt mich – und ich bin dankbar, dass ich gesund bin.

Könnten Sie es sich wünschen, wie sollte Ihr Lebensende sein?
Wenn ich es mir wünschen könnte, möchte ich Zeit haben, mit einigen Menschen zu reden und den Herrgott um Verzeihung zu bitten.

Worauf freuen Sie sich in nächster Zukunft ganz besonders?
Ich habe eine Reihe von Aufgaben, die mich sehr erfüllen. Auf eine verstärkte Zeit bei den Elisabethinen freue ich mich ganz besonders.

(Johanna Vucak)