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Einblick in die Hospizausbildung

In unserer Hospizausbildung erhalten die Teilnehmenden das Rüstzeug für die Hospizbegleitung. Sie machen sich aber auch immer ihre eigenen Gedanken. Regina Raudaschl, Absolventin des Hospizgrundseminars in Schladming, hat ihren AusbildungskollegInnen eine Reihe von Fragen gestellt und ihre Antworten gesammelt. Diese haben alle sehr berührt. Nehmen auch Sie sich ein paar Minuten Zeit – einfach mal zum Nachdenken!

„Was zählt von mir?“
Dass ich Tochter, Schwester, Lebensgefährtin, Mutter bin?
Dass ich gute Arbeit leiste, kompetent und smart?
Dass ich flexibel bin – im Sein und im Denken?
Dass ich für meine Lieben – und viele andere – da bin?
Dass ich mein Leben selbstbewusst und selbstständig gestalte?
Dass ich, kurz gesagt, einfach gut funktioniere?
Was, wenn ich das alles nicht mehr kann?
Was zählt dann von mir?

Wenn meine Arme schwach sind und meine Beine mich nicht mehr tragen, werde ich dann mehr als eine Last für dich sein? Wenn du nicht zu mir kommen kannst, komme ich zu dir. Dann setze ich mich zu dir, schenke dir meine Zeit und höre dir zu.

Wenn ich nicht mehr einordnen kann, was ich erlebe, wirst du mein Erschrecken und meinen Zorn darüber ertragen? Als Wichtigstes aus dem Kurs nehme ich mit, mich hineinzufühlen in die andere oder den anderen. Nicht was ich denke, ist immer gut für sie oder ihn. Es gibt kein Schema! Es kann und darf alles sein. Es gilt, mehr und genauer hinzuschauen. Und Mut haben! Man kann nichts falsch machen, außer man macht gar nichts.

Wenn die Verluste meines Lebens mir jeden Tag präsenter werden, kannst du mich in meiner Traurigkeit aushalten? Mit Abstand das Berührendste im Kurs war für mich jeder einzelne Erfahrungsbericht der HGS-Kolleginnen. Was kann und muss ein Mensch oft aushalten! Es war für mich eine unglaubliche Nähe, tiefstes Mitgefühl und Empathie für jede Einzelne spürbar. Es war, wenn auch oft sehr schmerzvoll, eine wunderschöne Erfahrung, dieses „Hineinspüren“ in die anderen und ihnen ganz nah zu sein. Ich bin dankbar für die Offenheit, das Vertrauen und die Dynamik in unserer Gruppe. Man fühlte sich einfach wohl.

Wenn Schmerzen meinen Tag prägen und mich grantig und unleidlich machen, wirst du Verständnis haben für mich? Durch die intensive Beschäftigung mit dem Sterben und dem dadurch entstandenen vermehrten Bewusstsein der Vergänglichkeit, gelingt es mir, das Leben im Jetzt stärker und dankbarer wahrzunehmen.

Wenn ich langsam bin und eigentlich nur Chaos anrichte, wirst du dann seufzen und genervt sein? Hospizarbeit ist völlig anders als das Leben, wie es sich sonst darstellt. In der ehrenamtlichen Hospizarbeit gibt es keine VIP-Kunden, sie ist ohne großen Aufwand für alle erreichbar. Die Begleitstunden sind nicht beschränkt. Hier ist Zeit nicht Geld – und Geld nicht Zeit. Wir wollen nichts voneinander. Egal, welche Erfolge ich erreicht oder welche Fehler ich gemacht habe, hier zählt mein schlichtes Mensch-Sein.

Wenn das Sterben meinen Atem verlangsamt und aus meinen Worten ein Seufzen macht, wirst du ausharren bei mir? Sich mit dem eigenen Sterben auseinanderzusetzen war sehr intensiv. Mir hat es die Angst genommen, vor allem, wenn ich weiß: Meine Liebsten sind um mich. Ich denke, keiner sollte alleine sterben müssen und deshalb ist die Hospizarbeit wichtig. Und wenn das heißt, mit einem Sterbenden noch Kaffee oder gar ein Glas Prosecco zu trinken, ist das doch sehr schön.

Wenn ich nicht mehr sprechen kann, wirst du mir dennoch zuhören? Vor dem Kurs habe ich mir die Frage gestellt: Kann ich es? Halte ich es aus? Ich habe mein Dasein bei einem Sterbenden erlebt. Was es heißt, ganz auf ihn konzentriert, ganz bei ihm zu sein, nur da zu sein und das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Nichts anderes zu tun. Man muss einem Sterbenden nicht nahestehen, nicht einmal Sympathie empfinden und kann dennoch Mitgefühl haben.

Wirst du mit diesem Häufchen Elend, das am Ende vielleicht nur noch von mir bleibt, den Begriff „Würde“ verbinden? Wirst du dir wünschen, ich solle „erlöst“ werden? Wirst du in diesem Fragment von mir mein neues Ganzes sehen und mein so Anders-Sein als du akzeptieren? Werde ich dann noch zählen – für dich und die Welt? Oder werde ich ausgezählt sein – als Mensch?

Ich schenke dir Zeit … und genieße sie mit dir.
Ich höre dir zu … und lerne von dir.
Ich gehe ein Stück mit dir …. und merke, wie gut mir das langsam Gehen tut.
Ich erzähle dir von mir … und freue mich, dass du dabei deine Einsamkeit für kurze Zeit vergessen kannst.
Ich verbringe Zeit mit dir … und merke, dass uns etwas verbindet in diesem Augenblick.
Wir sind reicher an Erinnerungen, weil wir einander haben.
Ich danke dir dafür!