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Wir nehmen die Kinder in unsere Mitte

Im April 2026 jährt sich die erste Sammelbestattung für Sternenkinder zum 20. Mal. Bis zur Umsetzung dieses Meilensteins war es jedoch ein langer Weg mit etlichen Herausforderungen. Gerhild Hirzberger, langjährige Leiterin der Plattform „Wenn Lebensanfang und -ende zusammenfallen“ und Mitinitiatorin der ersten Stunde erinnert sich.

Frau Hirzberger, wie kam es überhaupt zur Idee der Sammelbestattung?
Da muss ich etwas weiter ausholen. Die Gründung der Plattform „Wenn Lebensanfang und -ende zusammenfallen“ 2003 war ein erster wichtiger Schritt, um Eltern von tot geborenen oder kurz nach der Geburt verstorbenen Kindern Beistand anbieten zu können. Zuerst waren es hauptsächlich Begleitungen von „verwaisten“ Eltern, nach und nach kamen andere Dinge hinzu. Da haben wir auch gesehen, dass es kaum Möglichkeiten einer angemessenen Bestattung gab, besonders für Fehlgeburten unter 500 Gramm. Das wollten wir ändern.

Welche Hindernisse mussten Sie aus dem Weg räumen?
Es hat viele gegeben. Am wichtigsten war es, entsprechende gesetzliche Voraussetzungen zu schaffen. Das haben wir mit unserer Initiative erreicht. Danach haben wir nach und nach alle Kliniken besucht, Ärzt*innen und Pflegepersonal informiert und auf die neuen Möglichkeiten aufmerksam gemacht. In Zusammenarbeit mit dem Bildungshaus Mariatrost ist es auch gelungen, Informationstagungen für medizinisches Personal und andere interessierte Personen auf die Beine zu stellen. Dabei sind wir auf großes Interesse gestoßen. Und letztlich ging es um die Kostenübernahme. Da haben uns die damaligen Landeshauptleute Waltraud Klasnic und Franz Voves sehr unterstützt. Seitdem übernehmen das Land Steiermark und die Gemeinden die gesamten Kosten für die Sammelbestattungen.

Wie läuft so eine Sammelbestattung ab?
Zunächst werden die Kinder auf der Pathologie in Graz und Leoben gesammelt und vierteljährlich gemeinsam einer Kremation zugeführt. Die Urne wird danach im Rahmen einer Gedenkfeier beigesetzt. Die betroffenen Eltern und Angehörige oder Menschen, die ein so früh verstorbenes Kind vielleicht nicht bestatten konnten, sind eingeladen daran teilzunehmen. Gedenkfeiern gibt es in der Steiermark in den Gedenkstätten am Stadtfriedhof Judenburg und am Urnenfriedhof Graz.

Was bedeutet dieses Angebot für die betroffenen Eltern?
Sie bekommen einen Ort, wo sie ihre Trauer hintragen können und sehen, sie sind nicht allein. Es gibt auch jedes Mal ein Symbol, das die Eltern mitnehmen können, z. B. in Form eines Schmetterlings oder Regenbogens. Aber das Wichtigste ist: Wir nehmen die verstorbenen Kinder in unsere Mitte und geben ihnen so einen Platz in der Familie.

(Gaby Valentinitsch)

 Weitere Informationen, Folder und Termine von Sammelbestattungen auf www.hospiz-stmk.at.