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Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark
für zwei verdiente Hospizmitarbeiterinnen

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Foto: LH Hermann Schützenhöfer, Rosemarie Gruber, Rosa Kothgasser, LH-Stv. Mag. Michael Schickhofer

Goldenes Ehrenzeichen für Rosemarie Gruber
Verdienten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurde von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer am 16. November 2015 in der Aula der Alten Universität das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark überreicht. Unter den Ausgezeichneten befand sich auch Rosemarie Gruber aus Gröbming. Rosemarie gilt als Pionierin des Hospizteams Gröbming und Umgebung, legte sie doch 2001, nach Absolvierung der Hospizausbildung, den Grundstein für dieses Team und führte es mit großem Engagement und Einfühlungsvermögen insgesamt 13 Jahre lang. Nach Beendigung ihrer Führungstätigkeit steht sie der neuen Teamleitung als ehrenamtliche Mitarbeiterin weiterhin zur Verfügung. Im Besonderen ist es ihr durch die Spezialausbildung „Kinder gut begleiten“ möglich, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie deren Familien in Fällen schwerer Krankheit oder Trauer empathisch zur Seite zu stehen.          Das Hospizteam Gröbming

Goldenes Ehrenzeichen für Rosa Kothgasser
Dass unsere Rosa Kothgasser Pionierarbeit beim Aufbau des Hospizteam Mürztal geleistet hat, ist schon hinlänglich bekannt. Jetzt erhielt sie für ihren unermüdlichen Einsatz in der Aula der Alten Universität Graz das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark verliehen.
In einer stimmungsvollen Feier würdigte LH Schützenhöfer in seiner Laudatio die Arbeit von Rosa und hob die Bedeutung des Hospizvereines für unser Land Steiermark besonders hervor. Wir gratulieren Rosa herzlich zu ihrer Auszeichnung und sind sehr stolz, dass die Hospizarbeit jetzt auch in der Öffentlichkeit ihre Anerkennung findet.
Das Hospizteam Mürztal

DASEIN: Was motiviert Sie für Ihre Tätigkeit?
Gruber: Ich habe immer schon gerne mit älteren Leuten zu tun gehabt und man bekommt so viel zurück.
Diringer: Vor allem wenn man längere Zeit begleitet, lernt man die Bedürfnisse und Reaktionen alter Menschen besser verstehen. Manchmal vertrauen sie einem Dinge an, die sie mit den Angehörigen nicht besprechen wollen oder können, weil es da Barrieren gibt. Und oft kann man ihnen einfach wieder ein Stück Lebensfreude geben.

DASEIN: Was ist in den Begleitungen besonders wichtig und wie schaffen Sie es, sich abzugrenzen?
Diringer: Sehr wichtig ist es, Zeit zu haben, wirklich da zu sein, das spüren die Menschen. Zuhören ist wichtiger als reden! Aber man muss auch lernen, Nein zu sagen. Wenn man einmal keine Zeit hat, ist es besser, einen Besuch abzusagen und deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben. Das war am Anfang schwierig für mich.
Gruber: Bei der ersten Begegnung beobachte ich zuerst und versuche, auch das ganze Umfeld zu erfassen. Ich achte auch darauf, dass es mir selbst gut geht, wenn ich in eine Betreuung gehe. Das ist wie mit einem Rucksack, den man stehen lassen muss. Wenn ich jemanden besuche, lasse ich meinen privaten Rucksack zu Hause. Und wenn ich wieder heimgehe, bleibt der Betreuungsrucksack dort.

DASEIN: Wie können Sie Angehörige unterstützen?
Gruber: Indem man ihnen einfach Hilfe anbietet und schaut, dass sie diese auch annehmen können.
Diringer: Ich schaue immer zuerst, wie es den Kindern geht. Auf die vergisst man oft und lässt sie mit ihren Fragen allein. Es hat wenig Sinn zu sagen: Wenn du größer bist, werden wir dir alles erklären.
Besser ist es, sie mit einzubeziehen, das nimmt ihnen auch ihre Ängste.

DASEIN: Äußern Menschen in ihren letzten Stunden besondere Wünsche oder Bedürfnisse?
Gruber: Nicht immer. Manchmal sagen sie nichts mehr, und dann muss man einfach das Schweigen aushalten. Ich hatte aber auch eine Frau, die mir immer wieder gesagt hat: „Ich hab schon alles erledigt und jetzt warte ich nur.“ Sie war einfach bereit, zu gehen.
Diringer: Meist sind es nur Kleinigkeiten, aber wenn alles geregelt ist, sind sie gelassener. Und für Gläubige ist es leichter. Dabei ist es egal, an was sie glauben, das hat nichts mit der Religion zu tun.

DASEIN: Eine Betreuung geht oft über längere Zeit. Da entsteht ja auch eine Bindung. Wie schwer fällt es Ihnen persönlich, loszulassen, wenn es zu Ende geht?
Diringer: Damit kann ich gut umgehen. Ich kann mich sehr gut abgrenzen und habe meine eigenen Rituale, um loszulassen. Das ist etwas ganz anderes als bei Angehörigen. Man hat keine Macht, etwas dagegen zu tun, man ist immer hilflos. Aber bei Angehörigen spürt man diese Hilflosigkeit viel stärker.

DASEIN: Hat sich durch die Hospizarbeit Ihre Einstellung zum Tod verändert?
Diringer: Früher habe ich große Ängste gehabt. Auch, weil man nicht weiß, wie das sein wird. Aber wenn man den Glauben findet, egal woran man glaubt, sieht man das mit ganz anderen Augen.
Gruber: Ja, ich habe einen anderen Blickwinkel bekommen. Und oft sagen die Leute, sie haben so viel Angst vor dem Sterben. Davor braucht man keine Angst zu haben. Das Leben davor, das ist das Schwierige!